Gastbeitrag Peter Schulze: Die Insel Usedom hat Probleme

Wenn ich über Usedom rede, spreche hier stellvertretend von den „Kaiserbädern“, die jetzt unter Heringsdorf firmieren, weil ich die ein wenig kenne, mich meist dort aufhalte und die Probleme sozusagen aus erster Hand erlebe.
Die Probleme in Zinnowitz scheinen ähnlich (soweit ich das aus der Zeitung mitbekomme), über die kleinen Orte kann ich wenig sagen.
Die Stadt Usedom ist nochmals ein Kapital für sich (lohnte sich sicher, da etwas sachkundiger zu sein, aber ich klammere sie einfach mal aus, ein Jammerspiel, aber ich mag mich nicht überall sachkundig machen.

Problemfeld 1: Wohnen

In den Jahren seit der Wiedervereinigung (mir schwebt da eher ein anderes Wort vor) hat sich viel getan. Viele Häuser sind zu ihren „Alteigentümern“ zurückgekehrt, haben seitdem manchmal mehrere Besitzerwechsel bei steigenden Verkaufspreisen erlebt,manchmal auch Insolvenzen, weil zu hoch gepokert wurde und letztlich das Geld nicht reichte.


Fast alle Häuser sind jetzt renoviert, bunt angestrichen, haben einen höheren Wohnwert vor allem aber einen höheren Verkaufswert erhalten. Bei vielen pellt die Farbe zwar schon wieder ab, die Feuchtigkeit steigt ungerührt weiter ins Gemäuer, renoviert wurde für den schönen Schein und den schnellen Verkauf.
Und der Verkauf floriert zu völlig überzogenen Preisen, für Einheimische nicht bezahlbar. Der Immobilienmarkt boomt, weil (Top- !!) Immobilien anscheinend als sicherer Schutz vor den Wirren des Euro gesehen werden….
Wo früher Mieter in zugigen Wohnungen wohnten, wohnen jetzt „unsere Feriengäste“, die wir bekanntlich lieben ( sollen )…aber wo wohnen die ehemaligen Mieter? Wohnraum ist knapp und damit teuer. Wer als „Ureinwohner“ hier weiterhin leben will und kein Eigentum sein Eigen nennt, muss sich begnügen: mit kleinen, z.T. recht bescheiden ausgestatteten  und (über-) teuren Wohnungen, 10€/m² und mehr sind bei Neuvermietung durchaus üblich….

Gebaut worden ist genug, aber vor allem Hotels und Pensionen, in erster, zweiter , dritter… Strandreihe, fein in Beton und meist riesig, klotzig, bisschen Stuck dran geklebt an die Betonklötze, fertig ist die Bäderarchitektur.
Oftmals nach der Methode: alte Villa mit großem Park und altem Baumbestand wird überteuert gekauft, die teilweise sehr alten Bäume entsorgt (Bäume gehören in den Wald, finden Sie nicht auch?) und die frei werdende Fläche mit geschmacklosen Bettenhäusern zubetoniert. Waren früher die Villen der ersten und zweiten Reihe „auf Lücke“ gebaut, haben die in der zweiten Reihe jetzt keinen Durchblick mehr…

Da werden denkmalgeschützte Ensembles zerstört und ich weiß nicht, ob aus Inkompetenz oder Vorsatz, ich vermute mal letzteres… Hinterher wird rumgemault: die übergeordnete Instanz habe ja… Stimmt, aber vorher hatte die Gemeinde versäumt, den bestehenden Zustand durch entsprechende Bausatzungen abzusichern…das lässt sich endlos fortsetzen….

Fazit: die Kaiserbäder ändern rasant ihr Aussehen. In den vorderen Reihen durch immer mehr und größere Hotels, in den hinteren Reihen durch immer mehr Pensionen/ Privatvermietungen. Baum für Baum fällt, Vorgarten für Vorgarten wird zu Parkzwecken verplattet… Der alte Charme der Orte schmilzt dahin…es sieht immer mehr aus wie überall an den Küsten… Auf der anderen Seite muss man in den Außenbereichen, in denen die Einwohner leben, aufpassen, auf den Gehwegen nicht zu stolpern, weil die in teilweise ziemlich marodem Zustand sind…Geld ist halt knapp…. Und die Gemeinde sollte alles in ihrer Macht stehende tun, die Grundstückspreise zu deckeln: z.B. kein weiterer Verkauf gemeindeeigener Liegenschaften, sondern ausschließlich Verpachtung zu langfristig konstanten und überschaubaren Konditionen….Nutzung des Vorkaufsrechts…

Problemfeld 2: Arbeiten

Das Meiste, was Dauerarbeitsplätze garantierte, wurde in den Jahren seit der Wiedervereinigung „abgewickelt“ oder ging sonstwie verloren, übrig blieben weitgehend Tourismusindustrie und ein paar Zulieferer und Handwerksbetriebe. Folge: überwiegend schlecht bezahlte Saisonarbeitsplätze. Diese schlechte Bezahlung wurde von den wenigen Betrieben mit Dauerarbeitsplätzen freudig übernommen (lt. Stat. Bundesamt 30% unter Bundesdurchschnitt)…selbst polnische Staatsbürger haben immer weniger Lust, zu diesen Tarifen zu arbeiten…anderswo in MeckPomm denkt man an die Anwerbung von Spaniern, während in Spanien längst Arbeitskräfte von den Philippinen importiert werden…wo soll dieser Wahnsinn enden?
Usedom hat allerdings durch seine grenznahe Lage recht guten Zugang zum polnischen Arbeitsmarkt. In Swinemünde verdient ein zweisprachiger Hotelangestellter ca. 600€, 1000€ sind daher verlockend, die reichen aber für eine deutsche Arbeitskraft, die auf der Insel wohnt, nicht zum Leben….(s. Wohnen/ Mietpreise)
Folge: Was jung ist und keine allzu festen Bindungen hat, geht in besser bezahlende Regionen.
Zurück bleiben die Alten.
Und Schulen müssen schließen mangels Schülern….

Fazit: Usedom ist in den letzten beiden Jahrzehnten viel zu einseitig auf Massentourismus ausgerichtet worden. Eine tragfähige Lebensgrundlage und damit Lebensperspektive für die hier wohnende Bevölkerung wurde nicht entwickelt. Es wird höchste Zeit, dass sich das ändert…. die Löhne müssen zum Leben reichen, Arbeit mit Aufstockung über Sozialhilfe ist unwürdig. Und es ist nicht einzusehen, warum Unternehmen aus den Sozialkassen subventioniert werden.

Problemfeld 3: Verkehr

Während der Saison (zwischen April und Oktober) herrscht auf der Insel unkalkulierbarer Dauerstau. Wenn man als Einheimischer seine Geschäfte wie Einkaufen und weiteres nicht bis ca. 9.00 Uhr erledigt hat, dauert’s ziemlich lange. Man steht nämlich im Stau. Ausweichen auf öffentliche Verkehrsmittel kommt ziemlich teuer, viel teurer als im Westen und ist sehr zeitaufwändig….Die Frage für mich ist: warum klappt im Westen ein Verbundsystem zwischen allen öffentlichen Verkehrsmitteln und hier nicht? Schlimm genug, dass der letzte Bus von und nach Anklam gegen 17.00 Uhr fährt.

Zweites Problem, die Parkplatzsituation: wenn man als Anwohner keinen eigenen, am Besten durch Kette gesicherten Einstellplatz hat, lässt man sein Auto besser stehen. Tut man es nicht, findet man bei Rückkehr keinen Parkplatz mehr….

Fazit: Es braucht eine rigorosere Parkraumbewirtschaftung und mehr Parkraum im Außenbereich und…  Die Touristen (warum eigentlich nicht auch die Einwohner?) müssen aus den Autos… am Besten sollten sie ohne Autos kommen, mit einer direkten Bahnanbindung zwischen Berlin und Swinemünde…
Es wird dringend ein Verkehrskonzept für die ganze Insel benötigt, ähnlich wie es z.Zt. für Rügen entwickelt wird…und da dürfen auch Fahrverbote nicht tabu sein…

Problemfeld 4: Kultur / Lebensqualität

Nahezu alles, was dem sozialen Miteinander diente, wurde seit der Wiedervereinigung geschlossen. In der Saison ist um 23.00 Uhr Schluss, sonst früher . Was übrig blieb, wurde „kommerzialisiert“ und bei den vorherrschenden Immobilienpreisen = Miet- und Pachtpreisen heißt das: teuer. (Wer hätte zu DM-Zeiten für ein Bier 6-7 Mark bezahlt? – und das ist noch nicht so lange her). Frühere Sommerfeste dauerten eine Woche, hatten einen zentralen (Haupt-) Standort an der
Konzertmuschel und gingen fast rund um die Uhr. Dadurch war sichergestellt, dass man sich traf, redete, miteinander feierte…. Deswegen kamen z.T. Usedomer und auch Urlauber aus allen Teilen der Republik…
Doch die Kaiserbäder haben sich auf Geronto-Massentourismus spezialisiert und d.h.: die Alten können eh nicht schlafen, aber bei Lärm überhaupt nicht….. Ahlbeck und Heringsdorf haben kein Kino mehr. Die Bücherei in Heringsdorf ist mehr als bescheiden…Theater gibt’s nur in der Saison und auf das Grundstück samt daneben liegendem Sportplatz hat offensichtlich bereits ein „Investor“ sein Auge geworfen oder ein naheliegendes Hotel sich wegen Lärm beschwert, es steht offenbar zur Disposition…ist ja auch eine schöne Lage mit Meerblick,…könnte man schön mit Beton…, paar klassizistische Bauteile drangeklebt, fertig ist
die Bäderarchitektur… Der Kahlschlag im Kulturbereich erfolgt landesweit, auf Usedom ist er aber abgeschlossen….

Problemfeld 5: Die Politik

Ich will mal vorsichtig sein und äußere hier vorerst eine Vermutung, eher ein unangenehmes Gefühl. Ich recherchiere noch und werde das präzisieren: für mich scheint es so, als ob nach 1990 ein paar Glücksritter aus dem Westen hier Hotels und Politik übernommen haben (oder umgekehrt). Im Umkreis dieser „Wessis“ gibt es offenbar Einheimische, die an Gewinn und Macht beteiligt werden und die Anbindung an die alten, heimischen Strukturen herstellen.

Interessant ist die Berufsstruktur der gewählten Gemeindevertreter, die in der Mehrheit dazu neigen, politische Entscheidungen der Betonpolitik diskussionslos abzunicken.

Im Hotelgewerbe herrscht ein heftiges Monopoly-Spiel und Gewinner zeichnen sich ab. Auf der Strecke bleiben die Angestellten. Je weniger bezahlt wird, je hemmungsloser „flexibilisiert“ wird, umso größer der Wettbewerbsvorteil, umso näher die Vorherrschaft, umso näher das Siegertreppchen…

Das wirtschaftliche und politische Geschehen in den Kaiserbädern wird schon seit geraumer Zeit von max. 50 Personen dominiert, die verantwortlich sind für den jetzigen Zustand der Gemeinde samt deren Auswirkungen auf den Rest der Insel….
Es sind nicht viele Akteure, aber sie sind sich einig, bleiben meist im Hintergrund und haben nützliche Helfer. Und die sind nicht zu unterschätzen. Wer sich wehrt, ist schnell mal seine Aufträge oder seinen Job los….und bekommt nichts Neues…

Es braucht einen politischen Neuanfang, oder zumindest eine ernstzunehmende Neuorientierung. Ein neuer Bürgermeister, so er denn hält, was er versprach, wäre ein positives Signal. Doch der Bürgermeister einer Gemeinde ist nicht ihr König, wie der alte offenbar meint, sondern die Nahtstelle zwischen Gemeinderat und Verwaltung….
Politische Entscheidungen sollten von den Gemeindevertretern ausgehen und nicht einfach nur abgenickt werden. Und die Diskussionen vor Entscheidungen sollten öffentlich, transparent und nachvollziehbar und nachlesbar sein…(und das ist meine Schnittstelle zu den Piraten). Vor der nächsten Gemeinderatswahl ist ja noch ein wenig Zeit, vielleicht reicht die ja, mit Engagement und frischem Wind durch einen neuen Bürgermeister, um die Vertreter der alten Seilschaft, die weitgehend verantwortlich ist für die angesprochenen Probleme, los zu werden.
Und wenn das gelingt, da bin ich mir ziemlich sicher, werden wir auch die NPD und damit unseren schlechten Ruf los, deren Wähler hätten dann in der Mehrzahl keinen Grund mehr, die zu wählen…

Konkrete Vorschläge / Denkanstöße :

  • runder Tisch mit allen Gemeinden und wichtigen Organisationen und Instanzen der Insel sowie Wolgast und Anklam … wichtig: Einbeziehung von Swinemünde,
    Thema: Probleme der Insel und Entwicklung eines Lösungskonzeptes.
  • sofortiger Baustopp für weitere Hotels und sonstige Gästebettenhäuser,
  • Umorientierung des Tourismusgeschäfts weg vom Massentourismus.
  • Konsequente Energiewende (Sonnen-/ Windkraft), Dezentralisierung der Energieversorgung (stadtnahe Blockheizkraftwerke mit Fernwärme…),
  • eigene Stadtwerke,
  • Ausbau und Vernetzung des ÖPNVs (Nahverkehr),
  • Eisenbahnanbindung an Berlin (über Karnin) forcieren,
  • Entwicklung eines umfassenden Verkehrskonzeptes auf der Insel,
  • Mal nachfragen, wo eigentlich die Gewerkschaften stecken…
  • Und so weiter….für weitere Vorschläge ist viel Raum…

 

Nachbetrachtung: Sehen Sie bitte dieses Thesenpapier als erste, orientierende Gedankensammlung. Ich erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit und habe vielleicht auch wichtige Aspekte übersehen und würde mich über weitere Anregungen freuen. Alle meine Informationen habe ich aus Zeitungen, Internetrecherchen und einigen persönlichen Gesprächen mit Einwohnern und Betroffenen. Und daraus habe ich meine Schlüsse gezogen, die z.Zt. sicher keinen wissenschaftlichen Ansprüchen genügen, weil die Datenbasis zu dünn ist.
Ich habe aber Interesse an einer Ausweitung und Vertiefung bis hin zur Buchform. Dafür suche ich Mitarbeiter und Informanten…

Wer ich bin? Peter Schulze, pensionierter Lehrer, der eigentlich nur in Ruhe hier leben will, sich aber allmählich über die Zustände auf dieser wunderschönen Insel ärgert. Vor allem über das Zusammenwirken von Dummheit, Habgier, Maßlosigkeit, Arroganz und Dreistigkeit in Politik und Wirtschaft. Das ist zwar im Augenblick chic in der ganzen Republik, hier wird es aber besonders deutlich sichtbar, weil diese Insel überschaubar ist….
„Denn man sieht nur, die im Licht stehn, die im Dunkeln sieht man nicht…“
Machen wir das Licht an…

peter.schulze11@web.de 

 

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11 Gedanken zu “Gastbeitrag Peter Schulze: Die Insel Usedom hat Probleme

  1. Mich würde interessieren, wie die Umorientierung im Tourismus aussehen soll.
    Sollen Hotels, Restaurants und Ferienhäuser geschlossen werden?
    Glauben Sie, dass die „übrig gebliebenen“ dann höhere Löhne zahlen werden?
    Glauben Sie, dass die „übrig gebliebenen“ dann die Arbeitnehmer „aufnehmen“ werden, die durch die Reduzierung der Hotels usw. ihre Arbeit verloren haben?

    Ein Stopp von Neubauten wird nicht so leicht durchsetzbar sein. Wer auf seinem Grundstück Baurecht hat, der hat es nun einmal. Da hätte die Gemeinde vor Jahren schon reagieren müssen.

  2. Peter Schulze

    @Usedomer
    Mir ist klar, das eine politische Wende nicht einfach sein wird Aber die jetzigen Probleme liegen auf der Hand und ich hoffe, über die Problembeschreibung besteht im Groben wenigsten Einvernehmen. Macht man weiter so, zerstört man die Insel und vertreibt die ansässige Bevölkerung.
    Ich bin kein Touristikfachmann und ich bin kein Politiker. Doch ich sehe, dass es durchaus gelungene Beispiele von Umorientierungen gibt: die Sylter machen das wohl schon recht gut mit ihrer Insel.
    Und: bis in die jetzige Sackgasse haben die Verantwortlichen über 20 Jahre gebraucht und es wird sicher einige Zeit und Mut und Phantasie und Frustrationen und Durchhaltevermögen brauchen, um da wieder raus zu kommen, vorausgesetzt, die Wähler wollen das überhaupt und spielen über einen längeren Zeitraum mit…werden sie sicher, wenn sie sehen, es geht in die richtige Richtung und sie werden nicht wie gewöhnlich vera…(den Kraftausdruck verkneif ich mir lieber).
    Arbeitsplätze entstehen z.B. bei einer Ausweitung des öffentlichen Nahverkehrs (in Rügen wird gerade ein neues Verkehrskonzept diskutiert, schauen Sie doch mal rein), bei forcierten Maßnahmen der Energiewende, der verstärkten Nutzung von Solar-und Windenergie, auch auf der Insel (fahren Sie mal durch das ländliche Bayern: alles voll mit Fotovoltaikanlagen und dann gucken Sie hier mal auf die Dächer) , einem Aufbau eigener Stadtwerke ( schauen Sie mal auf die Internetseiten der Stadtwerke Schönau, z.B.) ….und da gibt es sicher noch viele andere Ideen, von denen ich bisher noch keine Ahnung habe.
    Ich kenne übrigens eine Reihe von Fällen, in denen Grundstückseignern von Gemeinden Bauen unmöglich gemacht wurde, das ist nach dem geltenden Baurecht durchaus möglich, wenn man es will. Bundes- und Landesbaugesetze geben den Komunen ein weites Betätigungsfeld…usw. Vielleicht fallen Ihnen oder anderen Lesern ja noch weitere Beispiele ein….

  3. Ja, Sie haben Recht, in vielen Punkten stimme ich mit Ihnen überein.
    Aber beim Thema „Arbeitsplätze“ bin ich anderer Meinung.

    SIcher würden durch die von Ihnen genannten Maßnahmen neue Arbeitsplätze entstehen. Aber ich glaube kaum, dass ein Kellner sich auf einmal beruflich in der Energiebranche betätigen wird.

    Und „alles voll mit Fotovoltaikanlagen“ oder Windrädern?
    Kann ich mich nicht so recht mit anfreunden. Zumindest sollten die Flächen dafür gezielt ausgewählt werden und nicht wahllos.
    Es gabe ja, glaube ich, diesbezüglich schon mal Gedankenspiele mit einer Fläche am Flughafen Heringsdorf.

    Wenn man den neuesten Artikel auf dem Usedomspotter liest, wird der Nahverkehr zukünftlig eher eingeschränkt. Leider.

  4. peter Schulze

    @usedomer
    zum Kellner wird man nicht geboren und es ist kein unabänderliches Schicksal, einer zu sein. Viele haben das nicht als Beruf erlernt, sondern sind da halt so rein geraten, mangels Alternative…
    das mit dem Nahverkehr hab ich auch mitbekommen, liegt in der Logik der derzeitig herrschenden Cliquen. Aber da bin ich nicht (mehr) so pessimistisch.
    Dieses Jahr gibt es noch ein paar Wahlen (vor allem in NRW), in denen die FDP von der Bildfläche verschwinden wird und sich die Kanzlerin schon wieder neu orientieren und / oder warm anziehen muss.
    Von den Grünen ist außer Postenschacherei im Augenblick leider kaum noch was Konstruktives zu erwarten, „Die Linke“ tut sich schwer, der Dynamik der gegenwärtigen Entwicklung zu folgen, die SPD ist spätestens seit Schröder und seinem Kumpel Peter Hartz im A…, die CDU/ CSU ist scheinheilig wie gewohnt,…. aber die Piraten werden zum unkalkulierbaren Risiko im Selbstbedienungsladen der Etablierten, da muss man völlig neu rechnen…Ende des Jahres könnten die Karten völlig neu gemischt sein…Warten wir’s ab…vielleich fällt für Usedom ja was ab…

  5. Anmerkungen zu den Vorschlägen von Herrn Schulze

    Neue Lösungen
    Runder Tisch ist nur Palaver. Entscheidungen müssen von demokratisch legitimierten Leuten vorbereitet und durchgezogen werden. Also ran und Mehrheiten organisieren.

    Bauten
    Baustopp ist Illusion. Solange bei uns mit Betten Geld verdient wird, wird auch gebaut werden, genau solange bis eben nichts mehr verdient wird. Erst dann haben andere Vorstellungen eine Chance. Die größten Sünden was Veränderung der Umwelt betrifft werden sowieso von der öffentlichen Hand begangen und auch noch gefeiert wie gerade in Zempin am Strand.

    Wir haben keinen Massentourismus. Erst recht keinen billigen. Da fragen Sie mal die Familie mit
    3 Kindern aus Magdeburg oder Hannover. Oder wollen Sie die bei uns gar nicht?
    Wir haben einen ausufernden Saisontourismus, aber davon leben wir hier, so ist das.

    Energie
    Sie möchten also Energieerzeugung welcher Art auch immer (natürlich Öko) auf Standorten unserer Insel installieren wo noch keine ist? Na viel Spaß dabei! Und dann auch noch mit eigenen Stadtwerken, wo doch die vielen ausgelagerten Zweckbetriebe mit aktiven Verwaltungen und richtig politischen Einfluss Warnung genug sein sollten. Sind Sie schon mal in Widerspruch wegen Ihrer Wasserrechnung gegangen? Die beschäftigen dort mit unseren Steuergeldern Rechtsanwälte, die hätte sich nicht mal Wulff leisten können.

    Verkehr
    Der 50%tige Bettenzuwachs ist nicht mehr zu verhindern. Die werden also in den nächsten Jahren geschaffen.
    Baufelder, in vielen Orten zu besichtigen, werden in die Natur geschlagen, dass es einen den Atem verschlägt. Die Leute müssen dahin kommen. Die Investoren, gut in den Gemeinden vernetzt und als Wohltäter dargestellt, werden das erzwingen. Die Zweite Brücke in Wolgast wird gebaut werden. Die 111 wird mehrspurig mit den entsprechenden Kreuzungen ausgebaut (Ihr Beispiel Rügen lässt grüßen). Viele kleine Straßen werden befestigt und verbreitert. Was nicht gebaut wird ist die Bahnstrecke nach Berlin über die Karniner Brücke weil dafür kein Geld und keine annähernd so starke Lobby da ist, wie beim Straßenausbau.
    Diese Lobbyisten sind nämlich wir alle, die mit Autos unterwegs sind oder unterwegs sein müssen und dadurch lautlos Einfluß nehmen ständig und mit enormer Macht.

    Gewerkschaften
    Die Position der qualifizierten Angestellten wird stärker weil es zu wenig geben wird.

    Bei den von Ihnen erwähnten Dauerarbeitsplätzen hätte ich schon mal gewusst welche sie gern erhalten hätten? Manchmal schwelge ich auch in Ostalgie aber ein sich selbst finanzierender Job schließt die Armee und den öffentlichen Dient schon mal aus.

  6. man möge mir einmal erklären weshalb die beschriebenen Umorientierungen mit den jetzigen verhaltnissen ein schwarz-weiss Kontrast sein müssen?! niemand redet im ernst von Tourismus Abschaffung für einen okoenergiestandort. Mischt die Farben mal, dann seht ihr dass es wirklich ne Perspektive ist, über gewisse Tabus reden zu reden.

  7. da lässt sich Sputnik nur Recht geben!

    Tabus sind immer nur so lange Tabus, wei Sie die Leidensfähigkeit des Menschen nicht überfordern.
    In der Realität befürchte ich, ist der Leidensdruck aber leider immer noch viel zu gering !

    Ansonsten ist ein Tabu immer nur Ausdruck einer bestimmten Herrschaftsmoral und dem damit verbundenen Universalanspruch für wichtige Schlüsselthemen.
    Also nichts anderes als der Ausdruck von Machtmechanismen und deren Sicherung.

    Insofern ist ein menschliches Leben schlichtweg zu kurz für die Auflösung dieser Tabus in dem Rahmen wie es unserem menschlichen Geist und Verstand gegeben ist, es längst als notwendig verstanden zu haben….

    Wir rennen den Dingen also immer nur hinterher , das Dilemma der menschlichen Rasse schlechthin!
    Meiner Überzeugung nach hat der Mensch daher auch die Methode erfunden, selbst über die einfachsten Fragen wie Leben und Tod, Krieg und Frieden noch endlose Diskussionen zu führen.., nur um nicht einsehen zu müssen das es sich nicht ändern lässt und mit dieser unerträglichen Erkenntnis leben zu können ?

    Alternative kollektiver Suizid ?

    …auch keine so schöne Idee.

  8. was ich jetzt noch gefunden habe, ist ja ein weiteres buntes Steinchen im Mosaik Kottwittenborg, das ist ja der blanke Hohn!

    http://www.nordkurier.de/cmlink/nordkurier/nachrichten/mv/hoteliers-greifen-nach-der-gemeindekasse-1.404009

    Kottwittenborg ABWÄHLEN !

    WECHSEL JETZT !

    …wird dann irgendwann hoffentlich auch noch dem Letzten klar, warum hier (Gefolgs)Leute und Profiteure noch Beiträge für Herrn Kottwittenborg veröffentlichen.

  9. Peter Schulze

    @ Frank Kerber
    Wenn sich nichts ändert, teile ich Ihre Horrorvision.
    Ein paar Einwände:
    mit Betten wird bereits kaum noch verdient, es gibt ein Überangebot, jedenfalls in den „Kaiserbädern“,
    deswegen Billigangebote zur Saisonverlängerng. Das geht auf Kosten der Angestellten, die wegen Überlastung entweder krank werden oder gehen. Und unterbezahlt sind die auch…und von wegen höherer Einfluss…
    Was in den kleinen Orten passiert, bekomme ich kaum mit. Die von Ihnen beschriebenen Vorgänge z.B. in Zempin, passen aber durchaus in mein Bild, bauen bis nichts mehr geht…
    Und die Methode ist meist ähnlich: bauen, verkaufen, Kasse machen, raus…. Die anschließenden Probleme bleiben bei den Gemeinden.
    Und: sehen Sie sich mal die Vorgänge um Chamartin und Steigenberger in Heringsdorf an. Da schauen einige kleine Handwerksfirmen in die Röhre…und das hat Methode (googeln Sie mal: Rostock Hohe Düne Jachthafen Subventionsbetrug – ist tatsächlich nicht auf Anhieb zu finden)….Aufbau eines schwer durchschaubaren Firmenkonstrukts als Bauträger und dessen Insolvenz unter Zurücklassung einiger unbezahlter Rechnungen…und die Staatsanwaltschaften beissen sich die Zähne aus, oder es werden bewußt zahnlose Staatsanwälte eingesetzt…
    Energie (möglichst Öko – hört sich fast an wie ein Schimpfwort) sollte vor Ort erzeugt und verbraucht werden, raus aus den Monopolstrukturen, weg von den verrückten Groß-Stromtrassen,….und das geht.
    Lieber ein paar lokale Großkotze ( die kann man vielleicht wieder loswerden) als die globalen Monopolisten/ Haie/ Abzocker…EON hat grad Verluste gemacht wegen Abschaltung von AKWs, weint Krokodilstränen, mal sehen, wann die nächste Kehrtwende der Kanzlerin kommt…
    Im Interesse der Wolgaster ist eine zweite Brücke sicher sinnvoll (auch wenn sich dabei die üblichen Probleme mit der Trassenführung ergeben), die wird aber das Grundproblem des zu hohen Verkehrsaufkommens auf der Insel nicht lösen….also: Vorschläge sind erwünscht (und der Brückenbau verzögert sich sowieso…).
    Arbeitsplatz Militär, braucht man seit Gutenberg nicht mehr drüber nachzudenken, Arbeitsplätze öffentlicher Dienst würde ich akzeptieren, vorausgesetzt, der ändert seine derzeitige Taktik, dem weltweit praktizierten Kasinokapitalismus nachzueifern und zu versuchen, mit immer weniger Angestellten immer mehr leisten zu wollen…könnte vielleicht Vorbild für einen Wandel zum Besseren werden…
    Und nochmal: das einzige, was aus meiner Sicht gegen die schleichende Zerstörung der Insel hilft, ist Öffentlichkeit. Wir brauchen nicht einen Wulf, sondern viele. Und wir sollten es nicht der Bild-Zeitung und ihren Informanten überlassen, diese Typen zur Strecke zu bringen….

  10. Peter Schulze

    @ Frank Ker ber
    ich antworte Ihnen hier etwas ungewöhnlich zu Ihrem Kommentar vom 19.03. nicht auf „Usedomspotter“ (die Seite werd ich nach schlechten Erfahrungen mit J.M. nicht mehr mit Kommentaren behelligen.).
    Das Geschäft der UBB würde bei Ausweitung des Angebots defizitär, weil hier nur wenige Leute wohnen. Deshalb gab es Staatsmonopole, die die höheren Gewinne in Ballungszentren verrechnen mussten mit Verlusten in dünn besiedelten Gegenden…verstanden? Die UBB ist eine Tochter der DBB, zahlt aber geringere Löhne… Ich kann auch noch weiter erläutern…aber ich denke, das reicht…
    Ich hoffe, Arne lässt das durchgehen, obwohl ich vom Thema abweiche…

  11. Wenn mit Betten kaum noch verdient würde, würden bereits ansässige Hoteliers sicher keiner weiteren Projekte planen.
    Und dass es in der Nebensaison günstige Sonderangebote gibt, ist einfach das Ergebnis von Angebot und Nachfrage. Es gibt weniger Gäste, aber immer mehr Hotels, die im Winter nicht schließen. Und die 55 Euro Aktion „MV tut Gut“, die vor einigen Jahren gestartet wurde, hat sicher einen Teil zu der Preisspirale beigetragen.
    Ich denke, dass die meisten Gäste auch bereit wären, etwas mehr zu zahlen – auch im Winter. Aber so lange es eben günstige und gute Hotels gibt: Warum ein teureres buchen?
    Die einzige (utopische) Lösung wäre, dass ALLE Hotels die Nebensaisonpreise etwas nach oben korrigieren.
    Im Sommer zahlt der Gast mehr als das Doppelte und im Sommer wird auch das Geld verdient. Im Winter sicher nicht. Da sind viele eher froh, dass sie kostendeckend arbeiten. Aber um sein Personal auch im Winter beschäftigen zu können (und um auzuschließen, dass Arbeitskräfte abwandern), braucht man auch ein „wenig“ Auslastung.

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