Petition: keine Durchfahrt für Putins Bikergang!

10863817_823172154443417_1904434141297301744_ovia Martina Steis

In Polen werden Massenproteste gegen die Motorradtour Moskau – Berlin vorbereitet, die Mitglieder einiger russischer Bikerclubs planen; darunter die „Nachtwölfe“, deren Anführer Aleksandr „Chirurg“ Zaldostanov für seine Freundschaft mit Vladimir Putin berühmt ist. Die Organisatoren der Tour sagen, dass sie bereit seien, den „Hooligans“ Widerstand zu leisten; ihre polnischen Opponenten rechnen damit, dass die Biker dank einer Einmischung der Behörden nicht ins Land gelassen werden, sind aber im gegenteiligen Fall bereit, ihnen selbst den Weg zu versperren.

Zaldostanov selbst hat in einer Erklärung dazu vermutet, dass die Gegner der Tour Polen seien, deren Vorfahren „Polizaj [Begriff für Hilfstruppen der Deutschen aus der lokalen Bevölkerung im WK II – Anm.d.Übers.] und Aufseher in jüdischen Ghettos waren“.

Die Nachricht darüber, dass die russischen Biker Europa von Moskau bis Berlin durchfahren wollen, wurde bereits am 23. März auf einer der Seiten der „Nachtwölfe“ veröffentlicht. Das erste Land der Europäischen Union auf dem Weg der Biker soll Polen werden. Hier wurde man auf die Pläne der Russen erst am Anfang dieser Woche aufmerksam, aber selbst in dieser kurzen Zeit haben bereits fast 5000 Menschen ihre Bereitschaft erklärt, an den Protesten gegen die Motorradtour teilzunehmen – genau so viele Teilnehmer zählt die Facebook-Seite der Veranstaltung unter dem Titel „Nein zu einer Durchfahrt der Banditen aus Russland durch Polen.“

 

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Noch vor zwei Jahren verlief eine eben solche Motorradtour Moskau – Berlin ohne ernste Zwischenfälle, aber seit dieser Zeit hat sich viel geändert. Die „Nachtwölfe“ haben die Annexion der Krim unterstützt, eine Motorradtour in der Ostukraine veranstaltet in das von Separatisten kontrollierte Luhansk, der Anführer des Clubs Aleksandr „Chirurg“ Zaldostanov wurde zu einem der Organisatoren der Bewegung „Antimaidan“ und ist stolz auf seine persönliche Freundschaft mit Vladimir Putin. Im letzten Jahr wurde die Motorradtour Berlin – Moskau – vielleicht wegen der politischen Situation – durch eine Reise nach Italien ersetzt. Dieses Mal wurde entschieden zu fahren, ungeachtet möglicher Schwierigkeiten, da es um ein wichtiges Jubiläum geht – den 70. Jahrestag des Sieges. Übrigens werden, nach den Angaben von Andrej Bobrovskij, einem der Organisatoren der neuen Tour nach Berlin, nicht nur „Nachtwölfe“ sondern auch Vertreter anderer Motorradclubs aus Russland und GUS-Ländern teilnehmen. Laut Bobrovskij achten die Biker „die örtlichen Gewohnheiten und Traditionen“, seien aber, falls notwendig, bereit, sich den „Hooligans“ zu widersetzen.


Jagd auf die „Nachtwölfe“ – Охота на „Ночных волков“

http://www.svoboda.org/content/article/26949029.html

„Die Motorradtour ist dem 70. Jahrestag des Sieges gewidmet. Das Ziel dieser Tour ist es, nach Berlin zu fahren, Gedenkstätten zu besuchen, die Grabstätten sowjetischer Krieger und nicht nur deren zu besuchen, zu gedenken.“

– „Wann wird das sein? Wie lange soll die Tour dauern, durch welche Länder und Städte wollen Sie fahren?“

„Vom 25. [April] bis zum 9. Mai. Durch welche Länder? Das sind Polen, Tschechien, Österreich, Deutschland. Die Städte: Moskau, Minsk, Brest, Wroclaw, Ostrava, Wien, München, Prag und Berlin.“

– „D.h. Sie werden durch ganz Europa fahren und nicht den kürzesten Weg nach Berlin nehmen, sondern es wird das, was man eine Tournee nennt?“

„Ja, es gibt bestimmte Gedenkstätten, die wir besuchen möchten, die Gedenkstätten Dachau, Oświęcim [Auschwitz]. Gedenkstätten direkt in Europa, in solchen Städten wie z.B. Ostrava.“

– „Wie viele Personen werden daran teilnehmen?“

„Es war nicht das Ziel, viele Leute zu sammeln. Wir planen etwa 30 – 40 Personen.“

– „ In welchem Stadium der Vorbereitung ist diese Reise? Sind die Visa schon erteilt worden?“

„Die Teilnehmer erhalten gerade die Visa. Wir bereiten uns allmählich vor. Solche Veranstaltungen haben wir jedes Jahr. Nur in diesem Jahr gibt es wegen des 70. Jahrestages des Sieges irgendeinen Aufruhr.“

– „Sind Sie im letzten Jahr ungefähr derselben Route gefolgt?“

„Im vorletzten Jahr sind wir nach Berlin gefahren. Im letzten Jahr sind wir in den Süden gefahren, nach Italien.“

– „Sie sagen, dass sie im vorletzten Jahr nach Berlin gefahren sind, das war noch vor Beginn der ukrainischen Ereignisse. Wissen Sie, dass jetzt in Polen eine Facebook-Gruppe gegründet wurde, in der sich Leute eintragen, die sich darauf vorbereiten, Ihnen einen, wie man sagt, nicht sehr freundlichen Empfang zu bereiten?“

„Wenn uns Hooligans erwarten, werden wir uns entsprechend mit ihnen wie Hools unterhalten… wie mit Hooligans. Wir verstoßen nicht gegen das Gesetz. Wir achten die örtlichen Gebräuche und Gesetze, deswegen lassen wir niemandem gegenüber aggressive Handlungen zu. Wir werden gute Absichten haben.“

– „Sie haben nicht versucht, mit diesen Leuten irgendwie vorab in Kontakt zu treten, Ihre Absichten zu erklären, zu versuchen sich mit ihnen anzufreunden, um jeglichen Vorfällen vorzubeugen?

„Wir denken jetzt über diese Frage nach. Diese Situation hat sich nur erst vor kurzem ergeben. Wir werden nachdenken, wie wir die Situation am besten in den Griff bekommen. Natürlich wollen wir keine Konflikte. Wir haben keine extremistischen Ziele. Unser Ziel ist sehr einfach, ein historisches: das Andenken unserer Vorfahren zu ehren und entsprechend bis zum 9. Mai bis Berlin fahren.“

– „Ihr Anführer Aleksandr Zaldostanov, der „Chirurg“ darf nicht in die USA und Kanada einreisen, die Europäische Union hat ihn bislang noch nicht auf die Sanktionsliste gesetzt. Wird er gemeinsam mit Ihnen versuchen, nach Polen zu kommen und weiter nach Deutschland oder bleibt er in Moskau?“

„Erstens ist die Information etwas verzerrt. Nicht die „Nachtwölfe“ organisieren diese Veranstaltung. Das macht die Föderation für MotoTourismus. Das ist der erste Punkt. Zweitens fährt nicht der Club als solcher. Es fährt eine Gemeinschaft russischer Motorradfahrer. Die Leute sind absolut verschieden, aus verschiedenen Clubs, sogar aus verschiedenen Ländern. Bei uns nimmt auch Kasachstan teil. Deswegen ist es falsch, davon zu sprechen, dass das irgendeine geplante Aktion des Motorradclubs „Nachtwölfe“ oder sonst noch etwas sei.

– „D.h. es machen verschiedene Clubs und die „Nachtwölfe“ sind nur einer der Teilnehmer?“

„Natürlich sind wir alle in Kontakt. Wie alle Motorradfahrer sind wir in Kontakt – mit den einen sind wir befreundet, mit den anderen nicht. In diesem Fall ist das einfach eine Veranstaltung, die nichts mit dem Club zu tun hat. Die Veranstaltung ist nicht mit irgendeiner Betonung politischer Motive verknüpft. Sie richtet sich auf die Entwicklung patriotischer Gefühle bei den Teilnehmern und den Besuch von Jubiläumsveranstaltungen.“

– „Nehmen Sie an dieser Motorradtour teil?“

„Natürlich.“

– „Haben Sie keine Bedenken, dass man Sie an der Grenze einfach nicht durchlassen könnte? Grenzbeamte können sogar Personen mit Visa nicht durchlassen, sie haben dieses Recht.“

„Wir berücksichtigen diese Situation. Ich sehe nur einfach keine … Worin unterschieden wir uns von irgendwelchen anderen Leuten? Ich denke, in nichts.“

Am Freitag Abend hat der Anführer der „Nachtwölfe“ die Situation um die Motorradtour kommentiert. Die Erklärung Zaldostanovs ist auf der Seite des „Antimaidan“ veröffentlicht.

„…man muss verstehen, dass es Polen gab, die gekämpft haben, die mit der Roten Armee bis Berlin gegangen sind. Es gab Polen, die an der Operation Warschau – Poznan teilgenommen haben, die die Wisła [Anm.: Fluss in Polen] überquert haben. Es gab aber auch Polen, die zu Polizaj [Begriff für Hilfstruppen der Deutschen aus der lokalen Bevölkerung im WK II – Anm.d.Übers.]] wurden und zu Aufsehern in jüdischen Ghettos. Solche gab es auch. Vielleicht gefällt deren Nachfahren heute die Idee unseres Gewaltmarsches nicht. Das macht für uns keinen Unterschied, das ist uns egal: gefällt es jemandem oder nicht. Wir sind kein Hundert-Dollarschein, um allen zu gefallen. Deswegen werden wir unsere Pläne nicht ändern. Denn letztlich haben wir unsere Überzeugungen, wir haben unsere Werte. Einer dieser Werte ist der Große Sieg – der Höhepunkt der russischen Geschichte.“


 

Unbenannt

(polnische) Petition gegen die Einreise der Rockerband „Nachtwölfe“ (Text in polnischer, englischer und russischer Sprache)
Wer unterschreiben möchte:
Imię = Vorname
Nazwisko = Familienname
Miejscowość = Stadt
Kraj = Land (Niemcy=Deutschland, Austria=Österreich, Szwajcaria=Schweiz)
Adres e-mail
Czy chcesz udostępnić swój podpis?
(Möchten Sie, dass ihr Name öffentlich genannt wird?)
Tak=Ja Nie=Nein
http://www.petycjeonline.com/nie_dla_nocnych_wilkow_pl_ru_en

Je mehr Europäer sich dagegen aussprechen, diese kriminellen Typen auf unseren Straßen herumfahren zu lassen, desto einfacher hat es das polnische Außenministerium, sie erst gar nicht in das von ihnen verachtete Europa hereinzulassen.

 


 

Jarek Podworski, Einwohner des polnischen Ljublin, der auf Facebook die Seite der Veranstaltung „Nein zur Durchfahrt der Banditen aus Russland durch Polen“ gegründet hat, ist kein Biker, sondern ein früherer Journalist. Nach seinen Angaben kann man das auch über die meisten der 4000 Teilnehmer der Gruppe sagen – sie sind keine Mitglieder von Biker-Gruppen (die es in Polen gibt), sondern einfache Motorradfahrer und Einwohner polnischer Städte. Aus der Gruppe werden sofort alle radikalen Posts und Drohungen entfernt, es bleiben nur harmlose Collagen, wie die, die Jarek selbst gemacht hat – darauf vertreibt der Adler des polnischen Wappens einen Wolf mit dem Abzeichen des russischen Bikerclubs.
Podworski sagt, dass von den Plänen der Nachtwölfe bereits die polnischen Behörden und Parlamentsabgeordneten wissen. Er ist überzeugt, dass die Biker aus Russland nicht ins Land gelassen werden – die ihnen bereits ausgestellten Visa geben kein absolutes Recht zur Einreise in das Schengen-Gebiet und können an der Grenze annulliert werden.

– „Warum haben Sie beschlossen, gegen die Motorradtour der russischen Biker zu protestieren?“

„Der erste Grund ist die russische Aggression in der Ukraine. Die „Nachtwölfe“ sind als erste auf die Krim gefahren und haben dort für Putin agitiert; ebenso sind sie auch in den Donbass gefahren und kämpfen jetzt, sie haben dort ihre Leute, die gegen die offizielle ukrainische Staatsmacht kämpfen [vom Tod eines von ihnen bei Luhansk, eines gewissen Sergej Koptev haben sogar russische Nachrichtenagenturen berichtet. – Anm. Radio Svoboda]. Zweitens sind die „Nachtwölfe“ de facto eine Verbrecherorganisation, in Russland sind sie an Kriminalität beteiligt, machen das, was in allen normalen demokratischen Ländern verboten ist.“

– „Wie genau werden Sie gegen diese Aktion protestieren?“

„Wir denken, dass die polnischen Behörden etwas unternehmen können, um die Einreise dieser Gruppe nach Polen zu blockieren. Für die Polen sind 50 Jahre sowjetischer Okkupation sehr viel. Es wurden viele getötet, viele nach Sibirien geschickt. Für uns ist ihre Durchreise durch polnisches Gebiet absolut nicht hinnehmbar. Wir hoffen, dass ihnen die Einreise nach Polen verweigert wird. Wenn sie aber rein gelassen werden, werden wir die Straßen blockieren, dass bei den örtlichen Behörden offiziell anmelden, damit alles rechtmäßig stattfindet. Hier wurde diese Geschichte erst vor einer Woche bekannt, aber bereits eine riesige Anzahl Medien – Fernsehen, Radio, Zeitungen – sind aufmerksam geworden. Von diesem Problem wissen auch die polnischen Abgeordneten, einer von ihnen hat heute darüber im Parlament gesprochen. Wir werden sehen, was das polnische Innen – und Außenministerium jetzt machen.

– „Der Organisator dieser Motorradtour sagt, dass die Teilnehmer nur friedliche Absichten hätten. Welche Grundlagen kann es geben, ihnen die Einreise zu verweigern?“

„Mit friedlichen Absichten sind sie auch 1939 nach Polen gekommen, am 17. September [An diesem Tag haben die sowjetischen Streitkräfte das Gebiet Polens betreten – Anm. Radio Svoboda]. Und jetzt beginnt dort, wo die „Nachtwölfe“ auftauchen, eine russische Aggression. Wir denken, dass die polnischen Behörden weise genug sind, sie einfach nicht rein zu lassen. Die „Wölfe“ sind Terroristen, sie kämpfen im Donbass, die Ukrainer brauchen keine Terroristen auf ihrem Gebiet; und auch die Polen brauchen weder Terroristen noch Leute, die ihnen helfen. Wir hoffen, dass die polnischen Behörden auf unserer Seite sein werden. Und die Visa kann man an der Grenze annullieren und sie einfach nicht nach Polen lassen.“

– „ Gibt es in Polen Bikerclubs, die die „Nachtwölfe“ zurückwerfen können?“

„Es gibt sowohl Clubs als auch einfache Biker, die keinen Clubs angehören. Bereits sehr viele Menschen haben ihre Bereitschaft geäußert, raus zu gehen und ihnen den Weg zu versperren. Auf unserer Facebook-Seite haben sich schon 4000 Teilnehmer eingetragen; ich denke, diese Zahl wird wachsen und letztlich 10.000 bis 15.000 betragen. Das reicht, um raus zu gehen und ihre Durchfahrt zu blockieren“, sagt Jarek Podworski.

Die „Nachtwölfe“ sind der erste offizielle Bikerclub in Russland, er wurde noch vor dem Zerfall der UdSSR gegründet, 1989. Ungeachtet der Tatsache, dass die inoffizielle Biker-Ideologie es verbietet, engen Kontakt zu Behörden zu haben, haben die „Nachtwölfe“ diese Regel häufig missachtet, wofür sie von anderen Vertretern der Bikerszene kritisiert wurden. 2011 in Novorossijsk fuhr vorne in der Kolonne der „Wölfe“ Vladimir Putin auf einer dreirädrigen Harley, dem Aleksandr Zaldostanov damals eine Lederjack mit dem Club-Abzeichen zur Erinnerung geschenkt hatte. 2012 starb nach einer Schießerei in Zelenograd, an der Biker der „Nachtwölfe“ und eines anderen Clubs, „Drei Wege“, teilnahmen, ein Mensch, drei Personen wurden verletzt. Im Dezember 2014 fielen Zaldostanov und sein Club unter die Sanktionen der USA – gemeinsam mit den Vertretern der neuen Macht auf der Krim und der Leitung der selbsterklärten „Volksrepubliken“ Donezk und Luhansk.

weiterführende Links zu den Nachtwölfen:

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