Gastbeitrag: Bordelle mit Paarhufern… – der russische Propagandawahnsinn

von Boris Reitschuster

RS01Unter anderem wird dem Bericht zufolge in Deutschland eine Kopftuchpflicht für Polizistinnen erörtert, die Arbeitslosigkeit liegt erst bei 30, dann bei 70 Prozent, Ausbildungsplätze erhalten nur Flüchtlinge, für Deutsche gibt es keine Arbeitsplätze, die Propaganda ist um ein Vielfaches schlimmer als in der DDR, es werden wieder Bücher verbrannt, die Menschen haben Angst wie unter Hitler,…. etc., etc., etc. Alles leider keine Satire (wie einige hier schon hofften…)

Über den Link unten geht es zur Übersetzung – die selbst mir den Atem verschlagen haben. Das Original ist um ein Vielfaches länger – zum Übersetzen von mehr reichte meine Kraft nicht.

Ich habe nicht mal die schlimmsten Stellen ausgesucht – nur chronisch die ersten und die letzten. Es handelt sich um einen „Vor-Ort-Bericht“ einer russischen Emigrantin in Deutschland – der von der Redaktion als authentisch vorgestellt wird – wie gesagt einem millionenfach gelesenen Leitmedium, in dem nichts erscheint, was dem Kreml nicht passen würde.

Ich bitte um Verbreiten dieses Textes, weil dieser Irrsinn mehr sagt über Putins Methoden als viele Analysen – und vielleicht zumindest manchem seiner linken Unterstützer die Augen dafür öffnet, was das für ein System ist, das sich da als Vorkämpfer gegen den Faschismus ausgibt.

Putins rechten Freunden dürfte der Beitrag dagegen wohl leider gefallen.

Übersetzung aus der „Komsomolskaja Prawda“:

„Fast alle Aufzeichnungen Galinas (der Autorin) sind streng dokumentarisch: Sie versieht sie mit Links auf die wichtigsten Medien Deutschlands und Aussagen von Amtsträgern. Das ist eine wahrhaftige Chronik des Untergangs Europas:

Original (russisch): http://www.msk.kp.ru/daily/26426/3299114/

4. Januar:

„Heute diskutiert das deutsche Internet eine Erklärung der Bundesregierung, wonach Migranten aus allen Krisengebieten der Welt nach Deutschland kommen sollen. Bevorzugt werden dabei junge Moslems aus Afrika und dem Nahen Osten: In einer Erklärung des Bundestags ist die Rede von starken Händen, die Deutschlands Wirtschaft retten sollen. Aber wenn man auch nur die Frage stellt, wo diese „ungebildeten, nicht Deutsch sprechenden Männer arbeiten sollen“, bekommt man sofort den Stempel „Rassist“ oder „Islamhasser“ aufgedrückt.

Und das, wo noch gestern erklärt wurde, dass die Regierung das Rentenalter auf 70 Jahre anheben will. Die Alten werden also bis 70 auf ihren Arbeitsplätzen sitzen, aber wo werden da die jungen Deutschen arbeiten? Wenn die Arbeitslosigkeit jetzt schon bei 30 Prozent liegt? Wo sind diese mystischen Arbeitsplätze für Ngamba und Julidirma?

Die Sahne auf der Torte: Die katholische Kirche hat sich entschlossen, die Praxis, Babys zu taufen zu beenden. Der Grund: Man darf einem Menschen seinen Glauben nicht aufdrängen, er soll selbst entscheiden, wenn er erwachsen ist. Es ist witzig(,) zuzusehen, mit welcher Geschwindigkeit sich Europa selbst zugrunde richtet. Besorgen Sie sich genug Popcorn!

Bildunterschrift: Solche Bilder wurden zu einem gewöhnlichen Anblick für die Bahnhöfe Europas

Originalbildunterschrift: Solche Bilder wurden zu einem gewöhnlichen Anblick für die Bahnhöfe Europas

5. Januar:

Deutschland, das Land mit der strengsten Prozedur für den Erhalt einer Niederlassungserlaubnis, vereinfacht die Einbürgerung für Flüchtlinge, für Araber und Afrikaner. Kinder, die die auf die Welt bringen, werden automatisch Bürger.

Verstehen Sie mich – ich bin keine Islamhasserin. Ich bis aus Kasan, drei Viertel meiner Freunde sind Tataren. Mein erster Mann und mein Kind sind Moslems. Aber diese Flüchtlinge – das sind andere Moslems. Aggressive. Unzivilisierte. Die entweder die Straße blockieren, oder sich raufen, zu denen die Polizei jeden Tag in ihre Siedlung kommt. Sie sind erst kurz hier, und fordern schon Halal-Fleisch, weil ihnen unseres nicht gefällt.

Die Zerstörung Europas geschieht mit so einer Geschwindigkeit, dass sogar bärtige Conchitas (Wurst) und Ehen von Schwulen schon harmlos wirken. Merkel hat in ihrer Neujahrsansprache den Protest gegen die Islamisierung Europas verurteilt (man nennt das PEGIDA). Nicht nur Merkel! Die Deutschen selbst zerhacken jeden, der für eine Begrenzung der Migration eintritt.

6. Januar:

In Deutschland wird die Legalisierung von Haschisch und Marihuana vorgeschlagen… In den Kommentaren wird geschrieben: „Wow! So lösen wir auch das Problem mit den Arbeitsplätzen für die Flüchtlinge. Alle illegalen Drogenhändler machen wir zu Privatunternehmern, und die anderen Flüchtlinge werden auf den Marihuana-Plantagen arbeiten.“

Bei uns ist es nicht langweilig. Jeden Tag Spannendes. Jeden Tag wachst Du auf und fragst Dich: „Was haben Merkel und ihre kleinen Merkelein noch ausgedacht?“ Das erinnert immer mehr an Gorbatschow.

P.S.: In den Kommentaren werde ich gefragt: Werden jetzt auch Ehen mit Paarhufern erlaubt? Ich antworte: Nein, nur Bordelle mit ihnen. Das ist schon ein, zwei Jahre so.

Orignalbildunterschrift: Verteilung von Flüchtlingen auf Deutschland.

Orignalbildunterschrift: Verteilung von Flüchtlingen auf Deutschland.

[…]

20. Juli:

Aus den Nachrichten: „Auf 100 Arbeitssuchende kommen in Deutschland 5 freie Stellen.“ Nächstes: „Lehrstellen werden in erster Linie Flüchtlinge bekommen.“

Das bedeutet, es gibt keine Arbeitsplätze für Deutsche. Dabei beträgt die Arbeitslosigkeit in Deutschland nach neuesten Daten 70 Prozent.

Allein im Mai haben gestreikt: die Eisenbahner, die Erzieher in den Kindertagesstätten und Kindergärten, die Postmitarbeiter, die Mediziner, DHL. Man hat aufgehört, die Autobahnen zu reparieren, alle sozialen Programme wurden eingestellt. Merkel zerstört das Land mit der Geschwindigkeit eines Hauptschülers.

25. Juli:

Die Propaganda „für Flüchtlinge“ in den deutschen Medien übertrifft in ihrer Intensität und ihrer dummen Verlogenheit die Propaganda der DDR um ein Vielfaches. Das verstehen natürlich nur die Ostdeutschen, die Westdeutschen glauben alles.

Stellen Sie sich das vor, wir haben hier JEDEN Tag Nachrichten wie diese: „Der arme Flüchtling Mohammed Abdalle ging über die Straße und fand 1700 Euro (1300, 1250, 1000), und brachte sie zur Polizei.“ So verhalten sich echte Pioniere.

26. Juli:

In Deutschland wurde begonnen, Menschen für kritische facebook-Posts und Kommentare zu feuern.

7. August:

Für jeden Flüchtling, den eine deutsche Familie aufnimmt, werden 20 Euro am Tag gezahlt. Es gab Informationen, dass auch Frauen bezahlt werden, die zu Rendezvous mit Afrikanern bereit sind. Mädchen, stimmt das?

14. August:

Die Idiotie der Deutschen kennt keine Grenzen. Ab dem neuen Semester dürfen afrikanische und osmanische Flüchtlinge ohne Notenbeschränkung auf die Universitäten.

Alle anderen brauchen dazu super Zeugnisse, super Beurteilungen und Bestätigungen, dass sie kostenlos zum Wohl des Staates gearbeitet und ein Praktikum gemacht haben– und selbst dann müssen sie noch ein, zwei Semester auf einen Studienplatz warten.

Originalbildunterschrift: Die Flüchtlinge haben sich iPhones auf Kredit gekauft, wollen sie aber nicht bezahlen: Sie sagen, sie hätten nicht verstanden, was sie da im Geschäft unterschrieben hätten. Jetzt sitzen sie da, "nichts verstehend", mit den Geräten. Für die hat jetzt der Staat den Kaufpreis an die Geschäfte bezahlt.

Originalbildunterschrift: Die Flüchtlinge haben sich iPhones auf Kredit gekauft, wollen sie aber nicht bezahlen: Sie sagen, sie hätten nicht verstanden, was sie da im Geschäft unterschrieben hätten. Jetzt sitzen sie da, „nichts verstehend“, mit den Geräten. Für die hat jetzt der Staat den Kaufpreis an die Geschäfte bezahlt.

22. August:

Man überlegt, ob Polizistinnen in Deutschland ein Kopftuch tragen sollen. Es ist Zeit, Ganzkörperschleier anzulegen!

23. August:

In Deutschland beginnt man wieder Bücher zu verbrennen. Verbrannt werden müssen alle Bücher, in denen das Wort „Neger“ vorkommt.

Wir fahren zwischenzeitlich auf die Datscha. Das Leben inmitten von absolut unverschämten und unzurechnungsfähigen Ausländern und Zigeunern ist einfach unmöglich.

Wir haben uns entschieden, ein Zeichen zu setzen, wenn schon gefordert wird, dass man seine Wohnung für Afrikaner räumt.

Ja, genau darum wurde ich gebeten. Weil ich eine städtische Wohnung mit mehr Platz habe, als mir zusteht.

Vertrieben wird man aus der eigenen Wohnung nicht ins Nichts, sondern in Zimmer in solchen Unterkünften, die überhaupt nicht geeignet sind fürs Überleben: Weit weg, heruntergekommen, oder nur Bettplätze.

Klar, Afrikaner kann man so nicht einquartieren, sonst wird man von den Menschenrechtlern zerfleischt. Aber Weiße kann so unterbringen.

26. August:

Wir haben die Worte vom Weltuntergang nicht richtig verstanden. Wir haben an eine Sintflut gedacht. Aber die Flut stellte sich als eine andere heraus. Diese Leute – das sind Heuschrecken.

27. August:

Der deutsche Justizminister Maas fordert von facebook entschiedene Schritte gegen Kommentare gegen Flüchtlinge.

Jetzt kann ich mir in etwa vorstellen, wie die Leute zu Beginn der 1930er Jahre gelebt haben. Die Menschen haben Angst, vor Kindern offen zu sprechen. Alle kritischen Kommentare im Internet werden gelöscht, die Deutschen bleiben mutterseelenallein mit ihren eigenen Gefühlen zu dem, was passiert.

Heute wurde den Menschen verboten, sich auf der Straße zu treffen. Mehr als drei dürfen nicht mehr zusammenstehen. Im September wird ein neues Gesetz gegen die Unzufriedenen erlassen werden, also gegen uns…


 

Anschließend folgt dann noch ein Kommentar von einem prominenten Mitarbeiter der Zeitung:

Er meint: Die Autorin habe die Übertreibungen in der deutschen Flüchtlingspolitik satt. Es könne schon sein, dass sie „irgend etwas zu schwarzsieht“ – aber ohne Feuer kein Rauch. Und selbst wenn einige der „Fakten“, die die Autorin aufzähle, „nicht ganz typisch“ seien, ändere das doch nicht das Gesamtbild. Europa begehe einen „Ritual-Selbstmord.“…..

Original (russisch): http://www.msk.kp.ru/daily/26426/3299114/

Nachrichten von ähnlichem Kaliber: https://www.facebook.com/reitschuster/posts/1060212923993895

Vielen Dank für den Hinweis an Valeria Winarski und Konstantin Matyash

Copyright Übersetzung: Boris Reitschuster. Nachdruck willkommen, bitte mit korrektem Quellenhinweis.


Boris Reitschuster

RS

Boris Reitschuster erlag nach einem Jugendaustausch mit der Sowjetunion 1988 der Faszination Russlands.

Er lernte im Eigenstudium die Sprache des Landes, mit dem ihn außer seinem Vornamen zuvor nichts verband.

Nach dem Abitur 1990 zog er als Student zu seiner Jugendliebe nach Moskau, mit zwei Koffern und seinen gesamten Ersparnissen. In einer Gastfamilie und in leeren Geschäften lernte er Russland abseits der Ausländer-Ghettos kennen.

Nach einer Dolmetscher-Ausbildung arbeitete er als Deutschlehrer und Übersetzer.

Gleichzeitig berichtete er für verschiedene deutsche Tageszeitungen aus Russland. Nach fünf Jahren in Moskau machte Reitschuster 1995 ein Volontariat bei der „Augsburger Allgemeinen“ und arbeitete dann für die Presseagenturen dpa und AFP in München.

Als Leiter des Moskauer FOCUS-Büro kehrte Reitschuster 1999 zurück in das Land, das seine zweite Heimat geworden ist.

Nach Anfeindungen und Drohungen musste er 2012 Russland verlassen und leitete das Moskauer Focus-Büro bis Februar 2015 von Berlin aus.

Heute lebt er als freier Autor und Publizist in Berlin, und reist regelmäßig nach Moskau und in andere Staaten der früheren Sowjetunion.

2008 wurde er mit der Theodor-Heuss-Medaille ausgezeichnet – „angesichts seines außerordentlichen Engagements, mit dem er sich seit vielen Jahren kritisch mit dem politischen System Russlands auseinandersetzt und vor Ort mit hohem persönlichem Einsatz für die Meinungs- und Versammlungsfreiheit und damit für die Wahrung von Bürger- und Menschenrechten kämpft“.

Die „Welt“ schrieb im August 2014:
„Besser als er hat noch keiner das russische Machtsystem beschrieben. Boris Reitschuster, einer der schärfsten Putin-Kritiker in Deutschland, kann stolz auf sich sein.  Der russische Präsident höchstselbst hat den von Reitschuster stark mitgeprägten Begriff „Demokratur“ mindestens einmal in den Mund genommen.“

Link zum Artikel

Boris Reitschuster im Internet:

www.reitschuster.de
www.facebook.de/reitschuster
www.twitter.com/reitschuster
www.facebook.de/boreits (russisch)
Weiterführende Links:

Wikipedia

Preisverleihung

Econ-Referentenagentur

Der virtuelle Arm des Kreml

Am Faden des Keml


p.s.: Boris Reitschuster über Usedom und seine Grenzsituation zu Polen: https://www.facebook.com/reitschuster/posts/1179855988696254

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3 Gedanken zu “Gastbeitrag: Bordelle mit Paarhufern… – der russische Propagandawahnsinn

  1. Skurriler Beitrag, offenbar sah sich selbst die Redaktion gezwungen, das etwas zu relativieren. Erinnert mich an die Super-Zeitung, die hierzulande nach der Wende ihr Unwesen trieb. Das Traurige ist aber, dass die Komsomolskaja Prawda eine bedeutende Zeitung in Russland ist. Das staatlich kontrollierte Fernsehen ist wohl auch nicht besser. Wenn man bedenkt, dass Aufklärung und wissenschaftlicher Fortschritt mal sowjetische Staatsräson waren, ist das eine ziemliche Rückwärtsbewegung.

    Eine Moskauer Freundsagte mir, dass es in Russland nur noch »zweieinhalb« ernstzunehmende Zeitungen gäbe, eine davon sei Новая Газета. Vielleicht wäre es sinnvoller, von dort Artikel zu übersetzen?

    • Wäre es wirklich sinnvoller? Dort, wo sie gehört werden sollten, werden sie brüllend übertönt und hier, wo sie gehört werden könnten, interessieren sie kaum. Das, was Boris da übersetzt hat, ist eben keine skurille Ausnahme, sondern zieht sich mehr oder weniger stark ausgeprägt – teilweise subtil, teilweise brachial – durch die gesamte Medienlandschaft. Du machst das staatliche Fernsehen an und wirst seriös belogen. Die Geschichte vom in der Ukraine gekreuzigten Kind lief durch alle Kanäle rauf und runter. Du siehst immer die gleichen Schauspieler (kein Witz: eine Frau trat als verfolgte Russin in der Ukraine in mehreren, verschiedenen Rollen auf und war jedesmal Vor-Ort-Zeugin – es ist bewiesen und zudem noch so schlecht gemacht) – und genau das sind die Sachen, die hier kaum glaubhaft sind und deshalb so irrsinnig, weil sie tatsächlich passieren. Leute, die das nicht wahrnehmen, versuchen ja manchmal, den russischen Standpunkt nachvollziehen zu können und suchen darin das Rationale. Deshalb finde ich es wichtig, dass gezeigt wird, wie diese Dauerfeuerpropaganda aussieht. Es ist zum Irrewerden.

  2. Vielleicht ist das auch kein Entweder-Oder. Aus der DDR-Erfahrung wissen wir, dass es den kleinen unabhängigen Medien gut getan hat, wenn sie weiterverbreitet wurden. Das ist auch eine Ermutigung und Wertschätzung. Und als Leser bekommt man ein größeres Bild des Landes (und merkt, dass nicht alle dort verrückt geworden sind).

    Kennst du https://therussianreader.wordpress.com/ ?
    Die übersetzen ins Englische.

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